Die Kirche - Gottes- und Menschenhaus

Wer zum ersten Mal unsere Kirche St. Hedwig betritt, ist überrascht. Er findet nicht das gewohnt Bild einer Kirche vor: Altar vorn, dahinter eine Bank an die andere gereiht. Das hatte mit einem Vatikansichen Konzilbild zu tun, das vor dem 2. Vatikanischen Konzil den Kirchbau bestimmte: Priester, Kleriker und Messdiener sind vorn, daran schließt sich das Volk der Laien an.

Bei uns steht der Altar, er bedeutet Jesus Christus, im Mittelpunkt. Der Priester repräsentiert ihn in seiner Aufgabe als Gemeindeleiter, als Repräsentant Christi des Hauptes der Kirche. (Der Diakon repräsentiert Jesus Christus, als den, der gekommen ist, zu dienen.) Das Volk Gottes ist aus seiner Zuschauerrolle geholt. Es ist selbst aktiv mitfeierndes Subjekt.

Die Architektur unserer neuen Kirche kommt diesen theologischen Grundüberlegungen sehr entgegen: Die Aufstellung des Altares, die Anordnung der Bänke, die Höhe des Raumes, die Anordnung der Fenster: Alles trägt dazu bei, die Volk-Gottes-Theologie des 2. Vatikanums Gestalt werden zu lassen.

Der eigentliche zentrale Gemeinderaum hat eine oktogonale (achteckige) Gestalt. Sie gibt dem Raum sein besonderes Flair. Religionsgeschichtlich ist das Oktogon ein kosmisches Symbol (Windrose). Im Christentum gilt es als Symbol der Auferstehung. Deshalb waren die alten Taufkirchen (Baptisterien) achteckig. Die äußere Architektur macht deutlich, dass das Oktogon in ein Quadrat eingebunden ist, das an seiner Süd-Ost-Ecke abgeschnitten ist. Das Quadrat vermittelt den Eindruck der Ruhe und Vollkomenheit. Die abgeschnittene Ecke erinnert uns daran, das es nicht Vollkommenes auf dieser Welt gibt, auch nicht in unserer Kirche.

Der abseitsgestellte Turm sorgte für die nötige Spannung zwischen horizontalen und vertikalen Kräften. Er zeigt nach oben und ist dabei für die Stadtteile Lieth und Kaukenberg ein markanter Wegweiser.

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